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Weniger ist mehr

16.02.2018    

Mein Haus, mein Zuhause - Wenn Simone Loher über ihr Haus spricht, strahlt sie Glück und Zufriedenheit aus. Es ist kein Nullachtfünzehn-Haus, was dem Betrachter auf den ersten, jedoch noch vielmehr auf den zweiten Blick klar wird.

Was zeichnet das 95-m2-Haus in der Nähe des Viscoseareals in Widnau aus? Es ist optimal auf die Lebenssituation der 42-jährigen Rheintalerin zugeschnitten. Sie arbeitet 60 Prozent als Physiotherapeutin, ist alleinerziehend und single. Ein bescheidenes Budget verlangte nach einem einfachen, kostengünstigen Bau. Zudem legt sie Wert auf gute Belichtung und, gesunde Baumaterialien. Die Forderung nach einem Schlafbereich der elektrobiologisch abgeschirmt ist, konnte ebenfalls erfüllt werden. Als sie einzog, war ihr Sohn gerade ein Jahr alt. Das kleine Vierzimmerhaus sollte sich also auch den sich ändernden Bedürfnissen des Nachwuchses anpassen. «Dies ist eigentlich eine ziemliche Herausforderung für einen Architekten», lacht die Mutter des heute elfjährigen Buben. Ihr Architekt, Joshua Loher, gleichzeitig auch ihr Bruder, hat diese Anforderungen in einem modernen Zweifamilienhaus umgesetzt.

Kostengünstig und raffiniert
Das Haus drängt sich von aussen nicht auf, zum einen der Eingeschossigkeit wegen, zum andern wegen des sandfarbigen Tones der gemauerten Aussenwände. Wer ins Haus eintritt, dem fallen zunächst die unbehandelten Holzplatten aus Fichte auf, die für Türen, Schränke, Trennwände, Dach sowie als Verkleidung für die Aussenwände verwendet wurden. Sie geben dem modernen Bau Wärme und ergänzen sich harmonisch mit dem rostroten, gegossenen Boden, der durchs ganze Haus verläuft. Ins Auge stechen ebenfalls die grossen Fensterflächen und die lichtdurchfluteten Räume. Ein halber Innenhof bringt das Draussen ins Wohnzimmer. Im Winter habe man sogar das Gefühl, man habe Schnee im Wohnzimmer, schwärmt Simone Loher. Die Kosten konnten tief gehalten werden, indem die Fläche begrenzt und die Konstruktion radikal vereinfacht wurde. Das Haus hat nur einen Stock und verfügt weder über Keller noch Garage. Simone Loher sieht dies nicht als Nachteil. Sie liebe es, auf einer Ebene zu wohnen. Sie habe auch sich bestens an den fehlenden Keller und die fehlende Garage gewöhnt. Heute überlege sie sich viel bewusster, ob sie etwas anschaffe. Sie habe zwar einen Stauraum, würde diesen aber sehr bewusst bewirtschaften. Es sei befreiend, nicht überall etwas aufbewahren zu können.

Traumhaus
Auf die Frage, wie ihr absolutes Traumhaus ohne Budgetrestriktionen aussehen würde, überlegt sie lange. Vielleicht wäre es ein bisschen grösser, meint sie. Ob sie sich darin auch wohler fühlen würde, ist sie sich nicht sicher. Sie denkt, eher nicht. «Wenn man auch nach zehn Jahren immer noch nichts findet, was man anders haben möchte, dann ist es – denke ich – bereits mein Traumhaus», betont die moderne Singlefrau.

BAUEN IM RHEINTAL

Das erste Beispiel unserer Serie «Mein Haus - mein Zuhause» stammt aus dem Rheintaler Architekturführer «Bauen im Rheintal»

‹Bauen im Rheintal› dokumentiert und kommentiert erstmals vierzig Bauten der letzten zwanzig Jahre auf je einer Doppelseite in Text und in speziell für dieses Buch angefertigten Architekturbildern. Die Texte sind einfach und verständlich geschrieben. Adressen und Karten machen das Buch zur praktischen Orientierungshilfe für Architekturreisen durchs Rheintal. Ein Essay zur Baukultur von Joshua Loher und ein Text zur Geschichte des Tals von Robert Fabach ergänzen die Objektpräsentationen. Das Buch ist eine einzigartige Abbildung des Baugeschehens der letzten Jahre für Fachleute und eine handliche Dokumentation für Interessierte.

Joshua Loher, Sarah Peter Vogt: Bauen im Rheintal. Ein Führer zur zeitgenössischen Architektur in der Region Sarganserland, Werdenberg, Rheintal. Edition Hochparterre, Zürich 2017, 700 Bilder Pläne, 120 Seiten, rund 150 Bilder und Pläne, Klappenbroschüre, gebunden. Format: 10,4 x 18,7 cm. Zu kaufen bei Hochparterre oder über den Buchhandel.